Warum Gewinn nicht gleich Liquidität ist
Ein Unternehmen kann übers Jahr Gewinn machen und trotzdem zwischendurch zahlungsunfähig werden. Kunden zahlen mit Verzögerung, Ware muss vorfinanziert werden, Steuernachzahlungen, Versicherungen und Jahresbeiträge kommen gebündelt. Der Liquiditätsplan beantwortet deshalb nicht die Frage „Verdiene ich genug?“, sondern „Ist an jedem Monatsende genug Geld auf dem Konto?“.
- Saldo des Monats = Einnahmen − Ausgaben
- Kontostand am Monatsende = Kontostand am Monatsanfang + Saldo
Beispiel (Voreinstellung): Du startest mit 3.000 € auf dem Konto. Über das Jahr nimmst du 96.500 € ein und gibst 95.500 € aus, am Ende stehen 4.000 € auf dem Konto, also mehr als zu Beginn. Trotzdem rutscht der Kontostand im Monat 8 auf -2.500 €, weil im Monat 7 eine große Zahlung (etwa eine Steuernachzahlung) mit einem schwachen Sommer zusammenfällt. Ohne Kreditlinie oder Rücklage wäre das ein echtes Problem.
Was gehört in die Einnahmen?
Trag Geld ein, wenn es auf dem Konto ankommt, nicht wenn du die Rechnung schreibst. Bei 30 Tagen Zahlungsziel landet der Umsatz aus dem Januar im Februar. Dazu gehören auch Einlagen, Kredite, Fördermittel und erstattete Vorsteuer. Sei bei neuen Kunden vorsichtig und plane lieber etwas später als zu früh.
Was gehört in die Ausgaben?
- laufende Kosten: Miete, Gehälter, Software, Telefon, Versicherungen
- Wareneinkauf und Material, ebenfalls zum Zahlungstermin
- Umsatzsteuer-Vorauszahlungen (berechnen mit dem Umsatzsteuer-Zahllast-Rechner)
- Einkommensteuer- und Gewerbesteuer-Vorauszahlungen laut Bescheid
- Kreditraten, Leasing, Investitionen
- Privatentnahmen: Was du selbst zum Leben brauchst, verlässt das Geschäftskonto genauso
Abschreibungen gehören nicht hinein: Sie mindern den Gewinn, aber nicht den Kontostand. Bezahlt wird beim Kauf. Den Unterschied zeigt der AfA-Rechner.
Ein Engpass ist absehbar: was tun?
Zeigt der Plan ein Minus in einigen Monaten, hast du Zeit zu reagieren. Sprich zuerst mit den Kunden: Abschlagsrechnungen bei längeren Projekten, kürzere Zahlungsziele oder Skonto für schnelle Zahlung bringen Geld früher aufs Konto. Auf der Ausgabenseite helfen verschobene Investitionen, Ratenzahlung bei Lieferanten oder ein Antrag auf Anpassung der Steuervorauszahlungen, wenn dein Gewinn gesunken ist. Eine Kreditlinie beantragst du am besten, bevor sie dringend nötig ist.
Den Mindestbestand richtig wählen
Der Mindestbestand ist dein Sicherheitspuffer für Unerwartetes: ein Kunde zahlt nicht, ein Gerät fällt aus. Viele Selbstständige orientieren sich an ein bis drei Monaten ihrer festen Ausgaben. Der Rechner markiert jeden Monat, in dem der Kontostand darunter fällt. So siehst du früh, wann du handeln musst: Rechnungen früher stellen, Anzahlungen vereinbaren, Ausgaben verschieben oder rechtzeitig mit der Bank über einen Rahmen sprechen.
Plan, Ist und Szenarien
Ein Liquiditätsplan lebt davon, dass du ihn jeden Monat mit den tatsächlichen Zahlen vergleichst und nach vorn fortschreibst. Rechne außerdem ein vorsichtiges Szenario durch: Was passiert, wenn die Einnahmen 20 % niedriger ausfallen oder ein großer Kunde zwei Monate später zahlt? Trag dazu einfach andere Werte ein. Ab welchem Umsatz deine Fixkosten überhaupt gedeckt sind, zeigt der Break-even-Rechner.
Häufige Fragen
Was ist ein Liquiditätsplan?
Eine Übersicht über erwartete Einnahmen und Ausgaben für die kommenden Monate mit dem laufenden Kontostand. Er zeigt, ob du jederzeit zahlungsfähig bleibst.
Was ist der Unterschied zwischen Liquidität und Gewinn?
Der Gewinn zeigt, ob du über einen Zeitraum mehr verdienst als ausgibst. Die Liquidität zeigt, ob zu jedem Zeitpunkt genug Geld da ist. Zahlungsverzögerungen und große Einmalzahlungen können trotz Gewinn zu Engpässen führen.
Gehört die Umsatzsteuer in den Liquiditätsplan?
Ja. Die Einnahmen kommen brutto aufs Konto, die Umsatzsteuer-Vorauszahlung fließt später als Ausgabe ab.
Wie oft sollte ich den Liquiditätsplan aktualisieren?
Am besten monatlich: Ist-Zahlen eintragen, Abweichungen prüfen und den Plan um einen weiteren Monat verlängern.
Hinweis: Die Seite und das Ergebnis des Rechners dienen nur zur Information und sind keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung.
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