So kommt dein Stundensatz zustande
Als Angestellter bekommst du dein Gehalt auch im Urlaub, an Feiertagen und wenn du krank bist. Als Selbstständiger bezahlt dich nur, wer eine Rechnung von dir bekommt. Dazu kommen Kosten, die sonst der Arbeitgeber trägt: Kranken- und Pflegeversicherung komplett, Altersvorsorge, Arbeitsplatz, Technik. Der Rechner geht deshalb rückwärts vom Geld, das am Ende übrig bleiben soll:
- Nötiger Gewinn pro Jahr = Wunsch-Einkommen × 12 ÷ (1 − Abgabenquote)
- Nötiger Umsatz pro Jahr = Gewinn + Betriebskosten × 12
- Arbeitstage = 52 × Tage pro Woche − Urlaub − Feiertage − Krankheitstage
- Abrechenbare Stunden = Arbeitstage × Stunden pro Tag × abrechenbarer Anteil
- Stundensatz = Umsatz ÷ abrechenbare Stunden
Beispiel (Voreinstellung): Dir sollen 3.000 € im Monat bleiben, für Steuern und Versicherungen rechnest du mit 35 % deines Gewinns, das Business kostet 800 € im Monat. Nötig ist ein Gewinn von 36.000 ÷ 0,65 = 55.384,62 € und ein Umsatz von 64.984,62 € im Jahr. Bei 5 Arbeitstagen pro Woche, 30 Urlaubstagen, 10 Feiertagen und 10 Krankheitstagen bleiben 210 Arbeitstage. Davon sind bei 8 Stunden und 70 % Auslastung 1.176 Stunden abrechenbar. Der Stundensatz liegt damit bei mindestens 55,26 € netto, der Tagessatz für 8 Stunden bei 442,07 €.
Der größte Hebel: die Auslastung
Kaum ein Freelancer kann jede Arbeitsstunde abrechnen. Angebote schreiben, Rechnungen, Buchhaltung, Kundengespräche ohne Auftrag, Weiterbildung und Leerlauf zwischen zwei Projekten zählen alle zur Arbeitszeit, bringen aber keinen Umsatz. Wie stark das den nötigen Satz verändert, zeigt die Tabelle mit allen anderen Werten aus dem Beispiel:
| Abrechenbarer Anteil | Abrechenbare Stunden pro Jahr | Nötiger Stundensatz |
|---|---|---|
| 50 % | 840 | 77,36 € |
| 60 % | 1.008 | 64,47 € |
| 70 % | 1.176 | 55,26 € |
| 80 % | 1.344 | 48,35 € |
| 90 % | 1.512 | 42,98 € |
Wer neu startet, liegt oft deutlich unter 70 %, weil die Akquise viel Zeit frisst. Rechne lieber vorsichtig und freu dich, wenn es besser läuft.
Welche Abgabenquote soll ich eintragen?
Die Quote ist bewusst eine eigene Schätzung, denn sie hängt stark von deiner Situation ab: Einkommensteuer (progressiv, also mit steigendem Gewinn höher), gegebenenfalls Gewerbesteuer, Kranken- und Pflegeversicherung, Altersvorsorge oder Rentenversicherungspflicht in manchen Berufen, Berufshaftpflicht. Nimm deinen letzten Steuerbescheid und deine Versicherungsbeiträge und teile die Summe durch deinen Gewinn. Ohne Vorjahr hilft ein Gespräch mit einer Steuerberatung. Lieber ein paar Prozentpunkte zu hoch ansetzen als zu niedrig.
Netto oder brutto?
Der berechnete Stundensatz ist ein Nettobetrag. Bist du umsatzsteuerpflichtig, schlägst du die Umsatzsteuer auf der Rechnung zusätzlich auf; sie gehört dem Finanzamt und ist kein Einkommen. Mit dem Mehrwertsteuerrechner rechnest du den Bruttobetrag aus. Ob du als Kleinunternehmer ohne Umsatzsteuer abrechnen darfst, prüft der Kleinunternehmer-Rechner.
Der Rechner zeigt die Untergrenze
Das Ergebnis ist der Satz, bei dem du gerade dein Ziel erreichst. Ein Puffer für Zahlungsausfälle, schlechte Monate und Investitionen ist darin nicht enthalten. Vergleich das Ergebnis außerdem mit dem, was in deiner Branche üblich ist: Liegt der Markt deutlich darunter, musst du an Kosten, Auslastung oder Spezialisierung arbeiten. Liegt er darüber, verschenkst du Geld, wenn du nur die Untergrenze verlangst. Den Vergleich mit einem Angestelltengehalt kannst du mit dem Stundenlohn-Rechner anstellen.
Häufige Fragen
Wie berechne ich meinen Stundensatz als Freelancer?
Rechne aus, welchen Umsatz du im Jahr brauchst (Wunsch-Einkommen plus Steuern, Versicherungen und Betriebskosten) und teile ihn durch die Stunden, die du realistisch abrechnen kannst. Urlaub, Feiertage, Krankheit und unbezahlte Arbeitszeit musst du vorher abziehen.
Wie viele Stunden kann ein Freelancer im Jahr abrechnen?
Das hängt von Urlaub, Krankheit und Auslastung ab. Mit 210 Arbeitstagen zu 8 Stunden und 70 % abrechenbarer Zeit sind es 1.176 Stunden, deutlich weniger als die rund 2.000 Stunden eines Vollzeitjobs.
Ist der Stundensatz netto oder brutto?
Der berechnete Satz ist netto. Bist du umsatzsteuerpflichtig, kommt die Umsatzsteuer auf der Rechnung noch dazu.
Wie rechne ich vom Stundensatz auf den Tagessatz?
Stundensatz mal abgerechnete Stunden pro Tag. Bei 8 Stunden und 55,26 € sind das 442,07 €.
Hinweis: Die Seite und das Ergebnis des Rechners dienen nur zur Information und sind keine Rechts-, Steuer- oder Finanzberatung. Steuern und Versicherungsbeiträge werden nicht berechnet, sondern als deine eigene Prozentschätzung übernommen.
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